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Modehaus Brinkmann spendet Kleidung

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Bela Brinkmann, Sohn des Inhaberehepaares Karl-Friedrich und Marion Brinkmann (Zweiter von links) übergibt die Kartons an Pfarrer.

FOTO: UWE POLLMEIER

Modehaus Brinkmann spendet 16.000 Euro

Das traditionsreiche Modehaus schenkt die im Lockdown nicht verkaufte Winterware der evangelischen Kirchengemeinde. Diese verteilt die Markenkleidung an Bedürftige.

Ende Juli wird sich Familie Brinkmann nach 132 Jahren aus der Haller Einzelhandelswelt zurückziehen. Bevor aber Peter Jochmann aus Oerlinghausen – Unternehmensberater und Einzelhandelsexperte mit früheren Führungs- aufgaben bei s.Oliver, Marc O’Polo oder Sinn – das Haus unter bewährtem Namen Anfang September wiedereröffnet, verabschieden sich Marion und Karl-Friedrich Brinkmann mit einer großzügigen Spende in den Ruhestand.

Sie übergeben aufgrund des Lockdowns nicht verkaufte Winterware mit einem Einkaufswert von mehr als 16.000 Euro an die evangelische Kirchengemeinde Halle. „Wir möchten damit etwas von der Unterstützung zurückgeben, die wir in den vergangenen sechs Monaten erhalten haben“, sagt Bela Brinkmann, Sohn der Inhaberfamilie und selbst als Vertriebsleiter für ein süddeutsches Damenoberbekleidungsunternehmen tätig.

Das Haus an der Bahnhofstraße 32 bleibt weiterhin Eigentum der Familie Brinkmann. Die Verkaufsräume mit einer Fläche von mehr als 800 Quadratmetern werden von Jochmann angemietet. Mit der Fortführung des Modehauses habe sich der Herzenswunsch seiner Eltern erfüllt, so berichtet Bela Brinkmann. Es sei ihnen wichtig gewesen, dass den Hallern das Modehaus Brinkmann erhalten bleibt. Nun sei es Zeit, in Form einer Spende Danke schön zu sagen.

„Im Juli läuft noch der Räumungsverkauf, im August wird dann alles auf Vordermann gebracht“, sagt Bela Brinkmann. Von den einst 12.000 Klei- dungsstücken befänden sich derzeit noch rund 1.500 im La- denlokal. Alls muss raus, denn wenn Jochmann im September das Modehaus wiedereröffnet, ist es längst Zeit für die Herbst- und Winterware. „Wir möchten, dass das Haus dann in neuem Glanz erstrahlt“, sagt Brinkmann wohl ganz im Sinne Jochmanns, der an der Spendenübergabe nicht teilnahm. Das Angebot im Haus Brinkmann werde ab September dem bisher gekannten ähneln, jedoch werde man an der Markenvielfalt arbeiten.

„Wie ein Sechser im Lotto“

Am Freitag übergab Bela Brinkmann 24 Kartons mit Ware aus der abgelaufenen Saison an Vertreter der Kirchengemeinde. Der Verkaufspreis der Kleidung dürfte sich auf rund 40.000 Euro belaufen.

„Wir haben uns Gedanken gemacht und möchten die Kleidung an die Besucher unseres Mittagstisches verteilen“, sagt Gemeindereferent Sebastian Plath. Für die bedürftigen Menschen sei dies wie „ein Sechser im Lotto“. Gerade im vergangenen Winter habe man gemerkt, dass viele Menschen angesichts der milden Jahreszeiten der jüngsten Vergangenheit kaum Geld für Winterkleidung ausgegeben hatten. Plötzlich war der Schnee da. „Manch einer musste in Sandalen zum Supermarkt gehen“, berichtet Plath. „Wir hoffen, dass wir den Mittagstisch ab August wieder im Freien anbieten können. Aktuell liefern wir noch aus.“ Man werde alle Mittagstischgäste zu bestimmten Zeiten einladen, damit sie dann in Ruhe im Gemeindehaus in dem Kleidungsangebot stöbern und sich etwas aussuchen können.

„Diese Aktion wertet den Mittagstisch noch einmal auf“, sagte Pfarrer Bernd Eimterbäumer. Es sei ein absolutes Highlight für die Bedürftigen, „so wie Weihnachten“. Die nagelneue Kleidung werde viele überraschen und glücklich machen, so der Pfarrer. Denn Dinge, die für andere alltäglich sind, haben für viele Besucher des Mittagstisches den Status des Unerreichbaren.