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Gegen das Vergessen

Evangelische Kirchengemeinde Halle erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus.

Halle (HK). Schon früh morgens haben einzelne Schüler am Mittwoch kleine Kerzen neben das Holocaust-Mahnmal auf dem Familie-Isenberg-Platz abgestellt. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus mag durch die Pandemie zwar nicht im großen Umfang möglich sein, doch im Stillen ist es machbar, wie die flackernden Lichter zeigen. Das gemeinsame Erinnern, initiiert durch die Evangelische Kirchengemeinde sowie Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Halle und des Kreisgymnasiums Halle im Rahmen des internationalen Gedenktages zur Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, hat in Halle Tradition. Normalerweise wird es mit einer Gedenkveranstaltung in der St. Johanniskirche und einem gemeinsamen Gang zum Mahnmal begangen. Wir haben lange überlegt, was wir machen. Aber es ist wichtig, sich auch ohne die Möglichkeit, sich zu versammeln, an diese Situationen zu erinnern“, sagt Pastor Tim Henselmeyer, der stellvertretend für die Kirchengemeinde dieses Mal alleine einen Kranz am Mahnmal niederlegte. Auch in Künsebeck wurde im kleinsten Kreis der Opfer gedacht. Im vergangenen Jahr wurde dort ein Stolperstein auf Initiative der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) verlegt, an der Stelle, an der vor rund 80 Jahren das Wohnhaus von Christian Schalk gestanden hat. Aus tiefer christlicher Überzeugung verweigerte der Zeuge Jehovas den Hitlergruß und den Dienst an der Waffe. Daraufhin wurde Schalk am 12. Juli 1940 in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet. Anlässlich des Gedenktags der Holocaust-Opfer trafen sich Silke Fronemann (IGKB) und Pfarrerin Karin Hanke zur Säuberung des Steins am Künsebecker Ringofenplatz und sprachen dort gemeinsam ein Gebet. Dabei thematisierte Pfarrerin Karin Hanke auch die heutige Situation: „Hilf uns, wachsam zusein und denen zu wehren, die auch heute immer wieder anfangen, Menschen wegen ihrer Religion, Nationalität oder Rasse auszugrenzen und zu verfolgen.“ Mit der Niederlegung eines Rosenstraußes, den Unbekannte nur zwei Stunden später schon wieder entwendet hatten, endete die kleine Zeremonie. „Die Steine sollen erinnern und wachrütteln und dürfen nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden“, sagt Silke Fronemann.